Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kollegen,
ich habe die schöne und ehrenvolle Aufgabe, sie alle hier im Solar zur Feier des 20-jährigen Jubiläums der G&H Bankensoftware begrüßen zu dürfen. Ich sehe mit Freude viele „alte” Wegbegleiter, Partner und Kunden – von anderen haben wir zahlreiche sehr nette und zum Teil emotionale Briefe bekommen. Diese Briefe drücken – dem Anlass entsprechend –
viel Lob und Bewunderung, aber auch immer wieder Verwunderung aus.
Thomas Gries, der zusammen mit Wolfgang Heissel und Norbert Christian das Bankhaus Gries & Heissel gegründet und damit auch die Grundlage der G&H Bankensoftware gelegt hat, schreibt: „Sie haben einen tollen, sicher nicht immer einfachen Weg (mit Gries & Heissel Bankiers als Keimzelle und erstem Kunden war das wohl auch nicht anders zu erwarten) zurückgelegt.”
Wir selbst haben uns beim Start und der weiteren Firmenentwicklung nie von schwierigen Situationen und Herausforderungen abschrecken lassen, sondern uns immer darauf konzentriert, Höchstleistung zu bringen, Chancen zu nutzen, Herausforderungen anzunehmen und die optimale Lösung für unsere Kunden und die Produkte zu finden, auch wenn dieser Weg oft abseits des konventionellen Pfades zu finden war. Daher geht an dieser Stelle mein besonderer Dank an alle G&H Mitarbeiter, die mit hohem Engagement und Kompetenz zu diesem Erfolg beigetragen haben.
BANCOS basiert daher auch nicht auf den 1988 noch uneingeschränkt vorherrschenden IBM-Plattformen, sondern auf dem damals noch unbekannten Betriebssystem Unix, dem ebenso neuen Netzwerkprotokoll TCP/IP und der relationalen Datenbank Informix. Nach 13 Jahren – also im Jahr 2001 – schloss sich der Kreis wieder, als IBM Informix kaufte. Informix ist heute bei IBM der am schnellsten wachsende und erfolgreichste Datenbankbereich, der als eigene Linie neben DB2 geführt wird. 1988 waren diese Technologien jedoch noch unbekannt. G&H bekam viele gut gemeinte Ratschläge, sie solle bewährte und professionelle Plattformen einzusetzen mit „richtigen” Rechnern. Unserer Ansicht nach waren diese Technologien jedoch nicht zukunftsfähig. Dieses Festhalten an unseren Überzeugungen – oft gegen den Mainstream bzw. vor dem Mainstream – führt ganz offenbar dazu, dass wir kritisch beäugt und immer wieder falsch eingeschätzt werden.
Die folgenden Jahre standen ganz im Zeichen des Internetbooms und der uneingeschränkten – und weitgehend unkritischen – Begeisterung der gesamten Welt für die IT und damit einhergehend auch für Technologiebörsen wie den Neuen Markt. Diese Euphorie ging auch an der G&H Bankensoftware nicht vorbei, so haben wir 1996 gemeinsam mit Hewlett Packard die erste Internetbankinglösung und mit den Kommunikationsspezialisten der Firma NetCS das erste aktive SMS-Banking entwickelt. Obwohl diese Produkte nicht zum Kerngeschäft von G&H zählten, haben wir den Markt weiterhin aufmerksam beobachtet. Dabei haben wir viele Sterne aufsteigen und als Meteoriten wieder einschlagen sehen. Ein für die damalige Zeit obligatorischer Börsengang kam für uns noch nicht in Frage. Der damit verbundene Verlust der Unabhängigkeit hätte bedeutet, dass wir uns nicht mehr für die beste, sondern für die marktgängigste Lösung hätten entscheiden müssen. Auch im Rückblick sind wir davon überzeugt, dass dies eine gute Entscheidung war.
Der Anspruch nach einer optimalen Technologie hat auch intern zu immer wiederkehrenden, endlosen Diskussionen um Für und Wider einer grafischen Benutzeroberfläche für BANCOS geführt. Erst im Jahr 2000 haben wir mit der Verbreitung der offenen Lösung Java eine Plattform gefunden, die uns geeignet erschien, unseren Ansprüchen an Offenheit und Zukunftsfähigkeit gerecht zu werden. Für die Entwicklung der notwendigen Konzepte und Schnittstellen haben wir im gleichen Jahr die Bancos GmbH gegründet und die Produktreihe BANCOS Browser ins Leben gerufen. Bei unseren Entscheidungen lag der Schwerpunkt auf einer sauberen Architektur mit der Trennung von Backend- und Frontendfunktionalitäten. Auch das wurde und wird von vielen sogenannten Fachleuten kritisiert – wahrscheinlich deshalb, weil nur wenige Systeme zu dieser eindeutigen Abgrenzung in der Lage sind.
Unser für diesen Zweck entwickeltes Framework Troja4GL haben wir Ende April 2008 der Entwicklungs-
leitung von IBM/Informix im Rahmen der IIUG in Kansas (USA) vorgestellt. Als Ergebnis bereiten wir gerade eine Testinstallation im IBM-Labor vor, da IBM großes Interesse bekundet hat, Troja4GL in das Standardpaket von Informix zu integrieren und künftig weltweit mit jeder Informixinstallation auszuliefern.
Ob es dazu kommt oder nicht sei mal dahin gestellt: technisch bedeutet das den Ritterschlag für unseren Weg und bestärkt uns in unserem Bestreben nach optimalen und wirtschaftlich erfolgreichen Lösungen.
Dass fortschrittliche Technik kein Selbstzweck ist, sondern vor allem Vorteile in der Praxis bringt, beweist unsere jüngste Erfolgsgeschichte, die wir gemeinsam mit einer großen britischen Bank geschrieben haben.
Vom Erstkontakt im September 2007 bis zum Livestart der Phase 1 im Mai 2008 sind gerade einmal 8 Monate vergangen bis das neue Geschäftsfeld „Internet-
ratenkredit” am Markt und in die bestehende IT-Landschaft integriert war.
Bei der Bausparkasse Mainz waren wir Ende 2007 mit der Implementierung des Passivgeschäftes über das Internet mit 3 Monaten Projektlaufzeit übrigens noch einen Tick schneller.
Mit Höchstleistungen und Geschwindigkeit hat auch unser special guest zu tun. Er sagt von sich selbst, dass er immer der Schlechteste war, hat aber trotzdem – oder gerade deswegen – immer weiter an sich gearbeitet, seine Leistungen ständig verbessert und wurde 1988, also im Jahr unserer Firmen-
gründung, verdient zum König der Leichtathletik.
Ich bitte um einen kräftigen Applaus für Christian Schenk, der nicht nur Olympiasieger im Zehnkampf, sondern darüber hinaus auch ein äußerst interessanter und angenehmer Mensch ist und uns einiges über seinem Weg zu Höchstleistungen erzählen wird.
Oliver Struck
(Vorstand)